Wien, 1885 – 1974, Oxford, England
Wellesz studierte weder an der mdw noch lehrte er dort, obwohl sein Einfluss als Komponist und Wissenschaftler beträchtlich war. 1904 trat er dem Musikwissenschaftlichen Institut von Guido Adler bei und betrieb gleichzeitig privat Studien der Rechtswissenschaft sowie der Komposition bei Arnold Schönberg. Sein Interesse an Alter Musik führte zur Einbeziehung barocker Prachtentfaltung in seine eigenen, äußerst erfolgreichen Opern, die er gelegentlich in Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal schrieb. Wellesz war zudem ein früher Ethnomusikologe, und unter dem Einfluss seiner kunsthistorisch tätigen Ehefrau Emmy Wellesz, geborene Stross, entwickelte er eine Faszination für die Musik von Byzanz und trug später zur Entzifferung ihrer Notation bei. Das Exil führte ihn an die Universität Oxford, wo er innerhalb der entstehenden Alte-Musik-Bewegung großen Einfluss ausübte. Nach dem Krieg bekräftigte er seine österreichisch-deutsche musikalische Identität durch die Komposition von 9 Symphonien. Der fortbestehende Antisemitismus ließ nach dem Krieg keinerlei Aussicht auf eine Rückkehr auf seine frühere Professur an der Universität Wien zu.





