Widminnen (heute Polen), 1875 – 1943, Sobibór (Polen)
Eugen Engel wurde 1875 in Widminnen in Ostpreußen geboren, dem heutigen Wydminy in Polen. Seine Eltern waren der örtliche jüdische Grundbesitzer und Kaufmann Samuel Engel und seine Frau Berta, geborene Salinger. 1892 zog die Familie nach Berlin, wo Eugen Engel in die Fußstapfen seines Vaters trat und mit Stoffen für Damenbekleidung handelte. 1907 heiratete er Lea Jacoby, und 1910 wurde ihre Tochter Eva geboren. Engel war ein weitgehend autodidaktischer Amateurkomponist, allerdings einer von höchstem Niveau, dessen Werke gelegentlich öffentlich aufgeführt wurden. Er war eng mit Engelbert Humperdinck bekannt und korrespondierte mit den Dirigenten Bruno Walter und Leo Blech sowie mit dem Pianisten Edwin Fischer. Man geht allgemein davon aus, dass er 1914 mit der Arbeit an der Oper Grete Minde begann, die auf Theodor Fontanes gleichnamiger Novelle basiert. Nachdem Hitler 1933 deutscher Reichskanzler geworden war, bestand keine Hoffnung mehr, dass eine Oper eines jüdischen Komponisten aufgeführt werden würde. Er versuchte vergeblich, im Ausland eine Aufführungsstätte zu finden. Eva wanderte daraufhin 1935 nach Amsterdam aus, und ihr Vater folgte ihr kurz nach Kriegsausbruch 1939. Nachdem die Niederlande 1940 den Nationalsozialisten in die Hände gefallen waren, wanderte Eva 1941 nach Amerika aus. Engels eigene Versuche, ihr zu folgen, scheiterten leider, obwohl er auf einer Auswandererliste stand. Im März 1943 wurde er in das Lager Westerbork deportiert. Anschließend wurde er am 20. März in das Vernichtungslager Sobibór in Polen überstellt und drei Tage später ermordet. Er wurde 67 Jahre alt.





