Hanuš (Hans) Winterberg

Prag, 1901 – 1991, Stepperg / Oberbayern

Winterberg entstammte einer jüdischen Prager Familie, der Vater war Miteigentümer einer Textilfabrik. Seit seinem neunten Lebensjahr studierte Winterberg Klavier bei Therèse Wallerstein, an der Prager Musikakademie war er Student von Alexander Zemlinsky und Alois Hába. Winterberg heiratete die deutsch-tschechische Pianistin und Komponistin Maria Maschat, 1935 wurde ihre Tochter Ruth geboren. 1944 erfolgte „im Sinne des Reichsehegesetzes“ die Scheidung. Winterberg wurde nach Theresienstadt deportiert, Tochter Ruth in ein Waisenhaus gebracht. Am Ende des Kriegs kehrte Winterberg nach Prag zurück und fand heraus, dass Maria und Ruth aufgrund der Beneš-Dekrete nach Deutschland ausgewiesen worden waren; ihre tschechoslowakische Staatsbürgerschaft wurde annulliert. Als tschechoslowakischer Staatsbürger suchte Winterberg um einen Pass an, um seine musikalischen Manuskripte von Maria Maschat zurückzuholen. 1947 in Deutschland angekommen, entschied er sich, nicht mehr in die Tschechoslowakei zurückzukehren, vermutlich wegen der kommunistischen Machtübernahme 1948. Er fand Arbeit beim Bayerischen Rundfunk, wo man über zwanzig Stunden seiner Musik aufnahm. Nach seinem Tod ließ sein Adoptivsohn den Nachlass bis Dezember 2030 sperren, ein Schritt, der erst 2015 rückgängig gemacht werden konnte.