Wien, 1893 – 1944, Auschwitz
Marcel Tyberg wurde in Wien in eine musikalische Familie geboren. Sein Vater, Marcell Tyberg, war Violinist, seine Mutter Wanda Paltinger Tybergová Pianistin. Über seine formale musikalische Ausbildung ist nur wenig bekannt. Die Familie stand in engem Kontakt mit der in Prag ansässigen Familie Kubelík, insbesondere mit dem Geiger Jan und dem Dirigenten Rafael. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1927 übersiedelte Tyberg gemeinsam mit seiner Mutter in die italienische Stadt Abbazia (heute Opatija in Kroatien). Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt als Kirchenorganist, Pianist und freischaffender Musiker; unter dem Pseudonym Till Bergmar komponierte er zudem populäre Tanzmusik für die örtlichen Kurorte.
Im Jahr 1931 wurde seine Zweite Symphonie von der Tschechischen Philharmonie unter der Leitung von Rafael Kubelík uraufgeführt. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Norditalien im Jahr 1943 wurde bekannt, dass Tybergs inzwischen verstorbene Mutter zu einem Achtel jüdischer Herkunft war. Diese Tatsache führte dazu, dass der zu einem Sechzehntel jüdische Marcel Tyberg verhaftet und nach Auschwitz deportiert und am 31. Dezember 1944 ermordet wurde. Tybergs kompositorisches Schaffen steht in der spätromantischen Tradition und zeigt Einflüsse von Bruckner und Mahler, zeichnet sich jedoch durch eine vergleichsweise konzentrierte Orchesterbehandlung und klare symphonische Form aus. Sein Œuvre ist umfangreich und umfasst Kammermusik, Lieder, Klavierwerke, Symphonik sowie geistliche Kompositionen. In jüngerer Zeit hat sein Werk durch mehrere Einspielungen – insbesondere der orchestralen und liturgischen Musik durch das Buffalo Symphony Orchestra unter JoAnn Falletta – zunehmende internationale Beachtung gefunden.





