Viktor Urbancic

Wien, 1903 – 1958, Reykjavík

Viktor Urbancic war ein österreichischer Komponist, Dirigent und Musikpädagoge, dessen Lebensweg maßgeblich durch das Exil infolge der nationalsozialistischen Machtübernahme geprägt wurde. In Wien geboren, studierte er Musikwissenschaft, Komposition und Dirigieren an der Universität Wien sowie an der Wiener Musikakademie (heute mdw), wo er in der Tradition der Spätromantik und der musikalischen Moderne des frühen 20. Jahrhunderts ausgebildet wurde. In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren war Urbancic als Komponist, Musikkritiker und Lehrer aktiv und stand in engem Austausch mit den progressiven musikalischen und pädagogischen Strömungen seiner Zeit.

Bereits 1930 gehörte Urbancic zu den Mitbegründern der Musikschule Reykjavík (Tónlistarskólinn í Reykjavík), die sich in der Folge zu einer zentralen Institution des isländischen Musiklebens entwickelte. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im Jahr 1938 wurde er gemeinsam mit seiner jüdischen Ehefrau zur Flucht gezwungen und ließ sich dauerhaft in Island nieder. Dort nahm er seine Tätigkeit an der Musikschule wieder auf und wurde zu einer der prägenden Persönlichkeiten der isländischen Musikpädagogik. Er unterrichtete Komposition und Musiktheorie, leitete Chöre und Orchester und leistete einen entscheidenden Beitrag zur Professionalisierung der musikalischen Ausbildung in Island. Als Komponist hinterließ Urbancic ein vielfältiges Œuvre mit Orchester-, Chor-, Kammer- und pädagogischen Werken, in denen sich mitteleuropäische Traditionen mit Einflüssen der isländischen Musikkultur verbinden. Bis zu seinem Tod im Jahr 1958 blieb er in Island tätig und wirkte nachhaltig als Lehrer, Komponist und kultureller Vermittler zwischen Österreich und Island.