„Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien“ (Robert Fürstenthal)

Mai 2017 bis Juni 2020 – jetzt als Daueraustellung, Eingang Exilarte Zentrum

© Iby-Jolande Varga

Einer ganzen Generation an jüngeren Musikern und Musikerinnen wurde durch diese kulturelle Katastrophe die Aufnahme an der mdw verwehrt.

Das Exilarte Zentrum der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, befindet sich genau an jener Stelle, wo ab 1913/14 hervorragende KünstlerInnen sowohl als Lehrende sowie Studierende tätig waren. Viele von ihnen mussten 1933 bzw. 1938 Europa verlassen und flohen vor dem Terror der Nationalsozialisten. Einige von ihnen konnten ihre Karriere fortsetzen, andere hatten die Grundlage ihres Schaffens verloren. Andere wiederum hatten keine Chance aufgrund der historischen und menschlichen Katastrophe ein Studium an der mdw zu beginnen. Den unterschiedlichen Lebensschicksalen ist diese erste Ausstellung des exil.arte Zentrum der mdw gewidmet.

Georg Tintner

Er war der erste jüdische Sängerknabe, studierte an der mdw, war Farmer in Neuseeland und wurde zu einem der besten Bruckner-Dirigenten, mit einem Provinzorchester, welches bis heute kaum bekannt ist.

Herbert Zipper

Er studierte an der mdw, konnte Dachau und Buchenwald entkommen, übernahm das Manila Symphonieorchester und das Brooklyn Symphonieorchester, unterhielt pädagogische Konzepte in Südostasien bis zu seinem Tod, war Leiter von Projekten an der UCLA.

Alma Rosé

Sie studierte an der mdw, trat gemeinsam mit ihrem Vater auf, dem Primgeiger eines der besten Quartette und Konzertmeister der Philharmoniker, nach der Entlassung des Vaters flüchtete sie mit ihm nach England, aus Geldmangel musste sie auf den Kontinent zurück, wo sie verhaftet und nach Auschwitz deportiert wurde, wo sie das „Mädchenorchester“ leitete.

Walter Arlen

Er wurde als Jude vom Gymnasium ausgeschlossen, musste nach einem Jahr fliehen und konnte daher nicht an der mdw studieren, er wurde Musikkritiker der LA Times, gründete und leitete ein Musikdepartment in LA, seine Kompositionen sind erst seit 8 Jahren bekannt, 6 CD wurden bislang aufgenommen, lebt als aufstrebender Komponist mit fast 97 Jahren in LA.

Robert Fürstenthal

Er musste Wien und seine Jugendliebe verlassen, um sich vor den Nazis zu retten, konnte nie eine Ausbildung an der mdw oder andernorts absolvieren, traf seine Jugendliebe nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder, welche ihn zum Komponieren animierte.

Erich Wolfgang Korngold

Er war ein Wunderkind, war als Opernkomponist in ganz Europa ein Begriff, lehrte an der mdw, musste die Kriegszeit als Filmkomponist unfreiwillig in Hollywood ausharren, nach dem Krieg hatte man für seine opulente Musik keine Verwendung mehr, man meinte sogar, dass seine Musik wie Filmmusik klinge, aber in Wirklichkeit war es genau umgekehrt.

Nur einige von über 50 Schicksalen, die bei der Ausstellung „Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien“ angesprochen werden …

Juni 2018 bis Juni 2020

Das Exilarte Zentrum erweitert seine Ausstellung „Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien

Mit weiteren Nachlässen von Theo Buchwald, Robert Freistadtl, Wilhelm Grosz, André Singer, Jan Urban und Hans Winterberg

und zwei Sonderausstellungen

„Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte“ (Karl Kraus, 1933)

Ausstellung zu den Gedenkjahren 1918, 1933, 1938

und

Politisches Theater im Exil: Erwin Piscator und Maria Ley-Piscator