Der Katalog zur Ausstellung: Fritz Kreisler – Ein Kosmopolit im Exil. Vom Wunderkind zum „König der Geiger“
Die Ausstellung im Exilarte Zentrum der mdw zeigt die verschiedenen Lebensabschnitte eines der größten Violinvirtuosen des 20. Jahrhunderts, dessen Erfolgsstory von Wien ausging und in New York endete.
Fritz Kreisler war einerseits Kosmopolit und andererseits vom Exilant:innen-Schicksal betroffen. Aus Anlass des 10. Internationalen Fritz Kreisler Violinwettbewerbs, der seit 1979 an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien ausgetragen wird, wurde die neue Ausstellung des Exilarte Zentrum der mdw entwickelt – um das Leben und die Bedeutung Fritz Kreislers der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Nachdem die Nazis alle seine Auftritte und Aufnahmen aufgrund seiner jüdischen Herkunft verboten hatten, emigrierte er im September 1939 in die USA und wurde 1943 amerikanischer Staatsbürger. Neben seinen spektakulären Erfolgen seit seiner Kindheit bis zum Ende der Karriere beleuchtet die Ausstellung ihn als Jude und Exilant. Die Ausstellung zeigt aber auch Kreislers philanthropischen und karitativen Tätigkeiten auf. Im Zuge der Recherchen neu entdecktes Material ergänzt die schwierige Forschungslage.
Autor:innen:
Ulrike Anton Amy Biancolli Albrecht Dümling Gerold Gruber Michael Haas Nobuko Nakamura Matthias Schmidt Eric Wen
Herausgeber:
Prof. Dr. Gerold Gruber (Leiter des Exilarte Zentrum)
Das Exilarte Zentrum wird am 24. Mai 2024 bei der Langen Nacht der Forschung den Dokufilm über Julius Bürger sowie die Ausstellung im Exilarte Zentrum präsentieren.
Vortrag & Dokumentation: Julius Bürger – vertrieben und wiederentdeckt. Ein Wiener Komponist kehrt zurück.
19 Uhr, ARTHOUSE-KINO, Campus der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien
Die Dokumentation gibt Einblick in das Leben und Werk des jüdischen Wiener Komponisten Julius Bürger, der Österreich 1938 verlassen musste. International erfolgreich konnte er in den USA Fuß fassen, wo er im Jahr 1984, 39 Jahre nach deren Entstehung, den Kompositionspreis der University of Indiana für seine „Variationen über ein Thema von C. Ph. E. Bach“ erhielt.
Die Filmdokumentation entstand im Zusammenhang mit der ersten Aufführung der Orchesterwerke von Julius Bürger in Wien, im August 2023 im Großen Sendesaal des ORF mit dem RSO unter der Leitung von Gottfried Rabl.
Ausstellung : TRIANGEL DER WIENER TRADITION | ZEMLINSKY – SCHÖNBERG – HOFFMANN
Tanzkapelle-Bearbeitungen von Mitgliedern des Auschwitz Männerorchesters gespielt von den Musiker:innen der University of Michigan School of Music, Theatre & Dance unter der Leitung von OriolSans
Montag, 13. Mai 2024, 20 Uhr Jüdisches Museum der Stadt Wien Dorotheergasse 11 1010 Wien
Die zehn kurzen Stücke auf diesem Programm wurden von polnischen politischen Häftlingen arrangiert, die Mitglieder der Auschwitz Orchester waren. Sie benutzten populäre deutsche Schlager der 1930er und 40er Jahre – Tangos, Walzer und Foxtrotts arrangiert und instrumentiert für eine Tanzkapelle, die Sonntagskonzerte für die Auschwitzgarnison nahe der Villa des Kommandanten Höss spielte. Die so entstandenen Handschriften, die ich im Mai 2016 zu forschen begann, sind in der Sammlungsabteilung des Auschwitz-Birkenau Landesmuseums aufbewahrt. Gelegentlich unterzeichneten die Häftlinge diese Handschriften mit ihrer Häftlingsnummer, z. B. Antoni Gargul, ein Bratscher und polnischer Soldat (5665), oder Maksymilian Piłat (5131), ein Fagottist mit einem Konservatoriumsdiplom, der in Gdansk nach dem Krieg im Orchester der Staatsoper und der Baltischen Philharmonie spielte.
Bei der musikalischen Realisierung dieser Handschriften für die heute abendige Aufführung haben wir die ursprüngliche Instrumentierung so weit wie möglich beibehalten und nur sehr kleine Änderungen im Falle von augenfälligen Fehlern vorgenommen. Sie hören diese Werke, stumm für über 70 Jahre, so weit wie möglich wie sie 1942 oder ‘43 ertönten, als sie in Auschwitz 1 aufgeführt wurden. Die von unseren Sängern gesprochenen Zeilen sind aus den in der Nachkriegszeit geführten Zeugnissen und Interviews mit Mitgliedern des Auschwitz Orchesters.
Wir danken dem Kopernikus-Institut, dem Exilarte Zentrum, Dean David Gier, der University of Michigan School of Music, Theater & Dance, sowie dem Global Tour Fund der School of Music, Theater & Dance, die dieses Konzert ermöglicht haben.
Patricia Hall, 2020
Interpret:innen:
Oriol Sans, Dirigent
Musiker:innen der University of Michigan School of Music, Theatre & Dance
Pianistin Linda Leine und Sopranistin Pia Davila arbeiten seit Herbst 2014 stetig zusammen. Beginn dieser spannenden Reise war der Wettbewerb „Schubert und die Moderne“ 2015 in Graz, wo das Duo den dritten Preis erhielt. Seitdem musiziert es deutschlandweit, in der Schweiz und in Österreich. In Schwerin gewannen die Musikerinnen 2016 den ersten Preis beim Wettbewerb der Verfemten Musik – für die beiden der gemeinsame Anfang der Arbeit mit Musik verfemter KomponistInnen. Seitdem haben sich Linda Leine und Pia Davila ein breites Repertoire erarbeitet, dessen Herzensstücke nun auf der CD zu hören sind. Warum sich die Musikerinnen besonders diesem Thema widmen, hat verschiedene Gründe. Neben der fantastischen musikalischen Qualität, über die die oft viel zu unbekannten Werke und Texte verfügen, ist es den beiden Künstlerinnen wichtig, mit ihrem Beruf einen sozialen Beitrag zu leisten. Während Linda Leine die Geschichten ihrer eigenen, jüdischen Familie väterlicherseits erfahren hat – ihr Großvater war in mehreren deutschen Konzentrationslagern interniert und überlebte den Holocaust –, ist Pia Davila die Pflege des Erinnerns für ein demokratisches und friedliches Leben in der Zukunft ein wichtiges Anliegen. So war sie jahrelang Mitglied des „Freundeskreises KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V.“ und ihr Einsatz im Rahmen des GasthörerInnen-Programms für Geflüchtete der Hochschule für Musik und Theater Hamburg wurde mit der Einladung zum Neujahrsempfang 2019 beim Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue honoriert.
(c) Peter Kogoj
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(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
Dienstag, 16. April 2024, 19 Uhr Palais Ehrbar – Kleiner Ehrbar Saal Mühlgasse 28 1040 Wien
Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZ Mauthausen erinnert das Parlament Österreich am Freitag, dem 3. Mai 2024 an die Opfer des Nationalsozialismus. Die Veranstaltung wird musikalisch vom Exilarte Zentrum umrahmt und auf ORF 2 live übertragen.
Freitag, 03. Mai 2024; 11:00 Uhr Parlament Österreich – Bundesversammlungssaal Dr.-Karl-Renner-Ring 3 A-1017 Wien
Eröffnungsworte:
Wolfgang Sobotka, Präsident des Nationalrates
Musikalisches Programm:
Walter Arlen (1920-2023):S onnet für Geige und Klavier
Walter Bricht(1904-1970): Intermezzo aus Vier Stücken für Klavier, für die linke Hand (1933)
Wilhelm Grosz (1894-1939): Ostjüdische Volkslieder für eine Singstimme und Klavier
Interpret:innen:
Aleksandra Dimić, Gesang Karla Križ, Violine Anastasija Richter, Klavier
Wir freuen uns, die musikalische Schätze aus Exilarte Zentrum sowie das Buch „Music of Exile – The Untold Story of Composers Who Fled Hitler“ (Yale University Press, 2023) des renommierten Exilforschers und Autors Dr. Benjamin Michael Haas nun in New York zu präsentieren.
Wir danken unseren Unterstützer:innen aus der USA: Schirmer – Wise Music Group, American Society for Jewish Music, Hebrew Union College, Heller Museum, Debbie Friedman School of Sacred Music, u.a.
Donnerstag, 09. Mai 2024, 19:00 Uhr Hebrew Union College 1 West 4th Street (at Broadway) New York, NY10012
Gerold Gruber, Gründer von exil.arte und Leiter des Exilarte Zentrum der mdw
Im Gespräch: Benjamin Michael Haas, Buchautor John Mauceri, Dirigent
Interpret:innen:
Theodora Nestorova, Sopran Josipa Bainac, Mezzosopran Ulrike Anton, Flöte Alex Fowler, Violoncello David Hausknecht, Klavier
Über das Buch: Was passiert mit einem Komponisten, wenn Verfolgung und Exil bedeuten, dass seine wahre Musik kein Publikum mehr findet? In den 1930er Jahren begannen Komponist:innen und Musiker:innen aus Hitler-Deutschland zu fliehen, um sich auf der ganzen Welt ein neues Leben aufzubauen. Der Prozess des Exils war komplex: Obwohl einige ihrer Werke gefeiert wurden, hatten diese Komponist:innen ihre vertraute Kultur verloren und waren gezwungen, sich mit Fremdenfeindlichkeit und einem völlig anderen kreativen Terrain auseinanderzusetzen. Andere, die weit weniger Glück hatten, befanden sich in einer Art innerem Exil – sie komponierten unter einer rücksichtslosen Diktatur oder in Konzentrationslagern und Ghettos.
Michael Haas zeichnet einfühlsam die Erfahrungen dieser musikalischen Diaspora auf. Hin- und hergerissen zwischen Kulturen und Traditionen schufen diese Komponist:innen Musik, die eine Synthese aus alten und neuen Welten bildete, von denen einige zum Kernbestand des heutigen Repertoires gehören, während andere in der Schublade verschwunden sind. Von den Musiker:innen, die als feindliche Ausländer in Großbritannien interniert waren, über die brillanten Hollywood-Kompositionen von Erich Wolfgang Korngold bis hin zur Brecht-inspirierten Theatermusik von Kurt Weill zeigt Haas, wie diese Musiker:innen die Klangwelt des 20. Jahrhunderts prägten – und bietet eine bewegende Dokumentation der unberechenbaren Auswirkungen des Krieges auf die Kultur.
Zum Autor: Benjamin Michael Haas, PhD war viele Jahre Plattenproduzent und Aufnahmeleiter bei Decca und Sony, sowie 1994/5 Vizepräsident von Sony Classical in NY. Er ist mehrfacher Grammy-Gewinner und initiierte und leitete die Decca Aufnahmereihe „Entartete Musik“. Von 2002 bis 2010 arbeitete er im Jüdischen Museum Wien als Musik-Kurator. 2013 hat Yale University Press sein Buch „Forbidden Music – the Jewish Composers Banned by the Nazis“ veröffentlicht. 2000 bis 2015 war er Direktor des Jewish Music Institute der University of London und 2015/16 Research Associate am University College London, School of Jewish and Hebrew Studies. Seit 2016 ist er Senior Researcher am Exilarte Zentrum der mdw, das er mitbegründet hat.
Das junge Holzbläserquintett Windobona wurde im Sommer 2020 während der Angelika Prokopp Sommerakademie der Wiener Philharmoniker gegründet. Die meisten Mitglieder studieren an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und erhalten Kammermusikunterricht von Gottfried Pokorny. Sie sind sowohl national als auch international in Kammermusik und renommierten Orchestern aktiv, was zu wertvollen Erfahrungen beiträgt, die sie nun im Quintett nutzen. Das Ensemble gibt regelmäßig Konzerte in ganz Österreich, gestaltet eigene Programme, tritt bei verschiedenen Veranstaltungen auf, arbeitet an Auftragskompositionen und spielt bei angesehenen Musikfestivals wie dem Carinthischen Sommer. Im Jahr 2022 gewannen sie den 1. Preis beim 4. Internationalen Cibulka Wettbewerb in Graz.
(c) Peter Kogoj
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(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
(c) Peter Kogoj
Montag, 18. März 2024, 19 Uhr Palais Ehrbar – Kleiner Ehrbar Saal Mühlgasse 28 1040 Wien
Erich Wolfgang Korngold, Erich Zeisl, Rosy Wertheim u.a.
Interpret:innen:
Julitta Dominika Walder, Sopran
Mateusz Kasprzak-Łabudziński, Violine
Piotr Lato, Klarinette
Joanna Sochacka, Klavier
Über das Programm:
Das Konzert ist ein Andenken an das Leben und Schaffen der Komponistinnen und Komponisten, deren Werke unter dem NS-Regime verboten und als „entartete Kunst“ abgestempelt wurden – eine Bezeichnung, die damals auf alle vom Dritten Reich untersagten Kunstformen angewendet wurde. Die Betroffenen wurden aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt. Das Ensemble VIVA LA CLASSICA! bringt in seinem Konzertprogramm „Melancholie“ diese fast vergessenen Werke wieder zum Klingen. Wir danken dem Bezirk Landstraße, der Botschaft der Republik Polen und dem Jüdischen Museum Galizien für ihre Unterstützung.
„…einen Inhalt bekam mein Leben erst als ich ernsthaft mich auf die Musik zu konzentrieren begann […] – dabei war ich ganz auf mich allein gestellt…“
(Hugo Kauder)
Es erklingt beim Konzert Musik für Streichorchester von Eric Zeisl, Hugo Kauder, Julius Bürger, Mieczysław Weinberg und Gideon Klein. Auch Beschwingtes von Fritz Kreisler und Anita Bild wird zu genießen sein. Noch nie gehörte Archivschätze erwarten Sie.
Die Alma Mahler Philharmonie setzt sich für zu Unrecht in Vergessenheit geratene Komponist:innen ein. Teil ihres Engagements ist die (Wieder)entdeckung der Musik von Exil-Komponist:innen, insbesondere von jenen, die im Nationalsozialismus aus Deutschland und Österreich vertrieben wurden und, deren Musik verboten wurde.
Die Alma Mahler Philharmonie ist ein als gemeinnütziger Verein agierendes Kammerorchester bestehend aus mehr als 30 jungen Musiktalenten. Dirigiert wird das Programm von Clara Bauer Wagsteiner, Absolventin der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Mit Hintergrundinformationen und spannenden Details führt Sie die Pianistin und Musikwissenschaftlerin Karin Wagner durch den Abend.
Inspiriert vom weltweit gefeierten 150. Geburtstag von Arnold Schönberg beleuchtet die neue Ausstellung im Exilarte Zentrum der mdw das gesellschaftliche und kulturelle Umfeld des Begründers der Zweiten Wiener Schule. Im Besonderen wird Augenmerk sowohl auf Alexander Zemlinsky, der Schönberg unterrichtete und ihn in die Wiener Musikkreise einführte, als auch auf den Schönberg-Schüler und späteren Assistenten Richard Hoffmann gerichtet, dessen Nachlass sich seit kurzem im Archiv des Exilarte Zentrum befindet
Diese drei Persönlichkeiten, ihre berufliche, freundschaftliche und musikalische Verbindung sowie deren Schicksale während der Zeit des NS-Regimes, werden anhand von Lebensdokumenten, Fotos, Notenmanuskripten und Hörbeispielen nähergebracht.
Unzählige weitere Freigeister des frühen 20. Jahrhunderts aus Musik, Literatur, bildender Kunst und Architektur wie auch wohlhabende Kunstfreunde und Mäzene trafen zum künstlerischen Austausch und zu rauschenden Festen in der von Josef Hoffmann geplanten Künstlerkolonie im damals schon noblen 19. Wiener Gemeindebezirk aufeinander. Der Großteil von ihnen hatte jüdische Wurzeln und wurde von den Nazis verfolgt. Viele konnten emigrieren, viele kamen in den KZs ums Leben.
(c) Maria Noisternig
(c) Maria Noisternig
(c) Maria Noisternig
(c) Maria Noisternig
(c) Maria Noisternig
(c) Maria Noisternig
(c) Maria Noisternig
Schillernde Persönlichkeiten wie Alma Mahler-Werfel, Gustav Mahler, Carl Moll, Koloman Moser, Hugo Henneberg, Sigmund Freud, Egon und Emmy Wellesz, Emil und Yella Hertzka, Richard Gerstl, Adolf Loos und Arnold Schönberg inspirierten einander in dieser von Jugendstil geprägten Villenkolonie, welche als Modell für die Ausstellung nachgebaut wird.
Arnold Schönberg emigrierte als einer der ersten bereits 1933, Richard Hoffmann 1935 und Alexander Zemlinksy nach dem „Anschluss“ 1938 … Wie sehr verändert das erzwungene Exil einen Menschen, einen Künstler in seinem Schaffen? In der Ausstellung werfen wir einen Blick auf das jeweilige Oeuvre vor und nach der Flucht in eine ungewisse Zukunft.
Die 1947 in den USA geschriebene Partitur zu einem der bekanntesten Werke Arnold Schönbergs A Survivor from Warsaw wird in der Ausstellung kontextualisiert. Zuvor große symphonische Werke verfassend ist Alexander Zemlinsky kompositorisch durch die Verfolgung beinahe verstummt: zu sehen sind die beiden in New York entstandenen Lieder-Sammlungen aus 1938 (op. 27) und 1940 (ohne op.).
Die Frage, wie das Leben in Europa ohne Hitlers Nationalsozialistische Rassenlehre für Millionen betroffener Menschen ausgesehen hätte, lässt sich nicht mehr beantworten und der Verlust, den Europa an künstlerischem Potenzial dadurch verloren hat, nicht bemessen. Wir zeigen auf, mit welch willkürlicher Bürokratie man jüdische und systemkritische Menschen schikanierte. Dokumente wie Zemlinskys Reichsfluchtssteuerbescheid und Alien Registration Receipt Card mit Fingerabdruck sind im Original zu sehen.
Zemlinsky und Schönberg gelang die Flucht per Transatlantik-Dampfschiff in die USA, Richard Hoffmann emigrierte nach Neuseeland. Andere Flucht-Schicksale, Wege an Orte des Exils von Frauen, Männern und Kindern werden in der Ausstellung rekonstruiert.
Vielen Komponist:innen und Musiker:innen aus der damaligen Gesellschaft um Zemlinsky, Schönberg und Hoffmann gelang der Weg in die Freiheit nicht. Sie lebten im Untergrund (zum Beispiel Josef Polnauer, Olga Novakovic u.a.) oder wurden von den Nazis ermordet (zum Beispiel Schönbergs Familienmitglieder oder der Schönberg-Freund und Verleger Henri Hinrichsen).
„Triangel der Wiener Tradition“ betitelt die Verbindung dreier Musiker, die als Komponisten, Pädagogen und Freunde ein ähnliches Schicksal teilten: sie waren jüdischer Herkunft und somit Verfemte und Verbannte.